Nebolus Siegen

Die Nebolus-Rallye in Siegen

Kira ist völlig durcheinander: Nach einer wilden Partynacht wacht sie mit einem Filmriss auf – und ihre Freundin Josy ist spurlos verschwunden. Um herauszufinden, was letzte Nacht passiert ist und welche Rolle Substanzkonsum dabei spielte, bittet Kira um Hilfe. Vor diesem Hintergrund waren am 15. Dezember 2025 Studierende der Universität Siegen aufgefordert, sich mit Informationen zu den Themen Drogenkonsum, Risiken und Folgen auseinanderzusetzen. Während der einstündigen Rallye besuchten sie vier Stationen, darunter eine Suchtberatungsstelle als lokales Hilfsangebot.

Die Gesundheitsrallye mit dem Titel „Vom Schreibtisch zum Dancefloor“ wurde neben einer weiteren Nebolus-Rallye (Gesundheitsthema: Emotionale Erschöpfung) im Rahmen des Seminars „Gesundheitsförderung und Prävention“ (Masterstudiengang Digital Public Health) durch Studierende konzipiert und an der Universität Siegen durchgeführt. Aufgrund des engen zeitlichen Rahmens des Seminars von nur rund dreieinhalb Monaten konnte das Konzept von Nebolus im Laufe der Lehrveranstaltung nicht in vollem Umfang umgesetzt werden. Vor allem die geplante Kooperation mit lokalen Einrichtungen hätte mehr Zeit erfordert, als im Rahmen der Lehrveranstaltung zur Verfügung stand. Dennoch verdeutlicht der Erfahrungsbericht, wie Nebolus in einer adaptierten Version erfolgreich in Seminare integriert und erprobt werden kann.

GESUNDHEITSTHEMA

Suchtprävention,
Hilfsangebote bei
Substanzmissbrauch

SETTING

Universität

RALLYEORGANISATION

Projektteam Masterstudiengang Digital Public Health

VERANTWORTLICHE

Leitung des Seminars
„Vertiefung Gesundheitsförderung und Prävention“ im Masterstudiengang
Digital Public Health

Dr. Joanna Albrecht
Lea Stark-Blomeier
Pinar Tokgöz

ZEITRAUM

Dezember 2025

Einblicke in die Rallye

Einleitend hören die Rallye-Teilnehmenden eine Sprachnachricht von Kira, in der sie sich kurz vorstellt und erzählt, dass sie gerade durch ihre Bachelorarbeit, ihren Nebenjob und die Prüfungsphase ziemlich gestresst ist. Letzte Nacht war sie mit ihrer Freundin Josy unterwegs. Sie hat einen fiesen Kater und von Josy gibt es noch kein Lebenszeichen. Mithilfe der Rallye-Teilnehmenden findet Kira schließlich ihre Freundin und thematisiert ihre Sorge über deren Substanzkonsum. Beide stellen fest, dass sie Substanzen konsumieren, um den Stress zu kompensieren, erkennen die Gefahr hinter ihrem Verhalten und suchen sich schließlich Hilfe bei einer Suchtberatungsstelle.

Die insgesamt vier Stationen der Rallye mit dem Titel “Zwischen Schreibtisch und Dancefloor” vermitteln spielerisch Informationen zu den Risiken von Substanzen wie Alkohol, Tabak, Koffein und Ritalin. Dabei lernen die Teilnehmenden lokale Hilfsangebote kennen, wie z. B. die Suchtberatungsstelle der AWO.

Welche Einrichtungen haben sich beteiligt?

Die ersten drei Stationen dienten dem logischen Aufbau der Story und wurden genutzt, um passende Informationen zu Substanzmissbrauch zu vermitteln. Dabei orientierten sie sich an den Lebenswelten der Studierenden. Station 1 bildete das Café Flocke. Dort wurden der Konsum von Nikotin, Koffein und Vapes thematisiert und anhand von einem Quiz spielerisch behandelt. Station 2 war die Bibliothek “Unteres Schloss”, wo Inhalte zum Thema Ritalin mithilfe eines Kreuzworträtsels diskutiert und gesundheitsförderliche Ressourcen durch eine Atemübung/Meditation gestärkt wurden. An Station 3, vor der Bar Schellack, standen Strategien zum Safer Use bezüglich des Themas Alkohol im Fokus. Hier wurde Wissen mithilfe eines Lückentextes abgefragt. Den Endpunkt der Rallye bildete ein Telefonat mit der Suchtberatungsstelle der AWO. Mit den Mitarbeitenden wurden vorab die Story der Rallye sowie mögliche Fragen der Teilnehmenden besprochen. Die Teilnehmenden wurden durch die Hauptfigur aufgefordert, Informationen zum Datenschutz, Anonymität, Kosten und weiteren Anlaufstellen herauszufinden.

Übersicht Stationen

  • Café Flocke (Themen: Koffein, Nikotin, Vapes)
  • Bibliothek Unteres Schloss (Thema: Ritalin)
  • Bar Schellack (Thema: Alkohol)
  • AWO Suchthilfe Siegen (Themen: Beratung und Hilfe)

Wie liefen die Vorbereitungen?

Das studentische Projektteam des Masterstudiengangs Digital Public Health (Modul “Vertiefung Prävention und Gesundheitsförderung”) übernahm die Rallye-Konzeption sowie -Organisation. Nach einer Zielgruppenanalyse wurde zwei Monate vor der Durchführung der Rallye das Thema “Substanzmissbrauch” ausgewählt. Daraufhin wurden in regelmäßiger Absprache der Teammitglieder das Storyboard “Zwischen Schreibtisch und Dancefloor” sowie die vier Stationen mit den jeweiligen Spielelementen erarbeitet. Nach inhaltlicher Fertigstellung wurde die Geschichte mit Sprachnachrichten und technischen Details im Nebolus Planungstool umgesetzt.

Vor der Durchführung der Rallye fanden zwei Pre-Tests zur Überprüfung und Behebung potenzieller Schwierigkeiten statt. Der gesamte Prozess wurde durch die Seminarleitung supervidiert.

Wie wurden die Rallye-Teilnehmenden angesprochen?

Um die Zielgruppe, Studierende der Universität Siegen, zu erreichen, wurden folgende Kanäle bespielt:

  • Instagram-Account eines Fachschaftsrats
  • WhatsApp-Gruppen von Studierenden
  • Uni Siegen-App
  • Ausstrahlung über Bildschirme auf dem Campus der Universität
  • Persönliche Ansprache durch das Projektteam
  • Unterstützung der Rekrutierung durch Dozentinnen und Dozenten der Universität Siegen

Über einen QR-Code oder Link gelangten Interessierte auf ein Anmeldeformular, über das der gewünschte Rallye-Termin sowie Kontaktdaten angegeben werden mussten. Hier erhielten sie zudem erste Informationen zum Hintergrund der Rallye, eine Aufforderung zum Download der kostenlosen Nebolus-App sowie einen Hinweis, dass weitere Informationen per E-Mail folgen würden.

Wie lief die Umsetzung?

Am 15.12.2025 um 10:30 Uhr fanden sich die drei teilnehmenden Studierenden vor dem Café Flocke ein, wo sie vom Projektteam begrüßt wurden. Daraufhin wurde der Ablauf der Rallye besprochen. Die Datenschutzerklärung sowie der initiale Fragebogen wurden ausgefüllt und offene Fragen der Teilnehmenden wurden geklärt.

Die Gruppe absolvierte die vier Rallye-Stationen ohne Komplikationen innerhalb der vorgesehenen Zeit von einer Stunde. Die spielerischen Elemente konnten gut gelöst werden und entsprachen den Kompetenzen der Zielgruppe. Abschließend füllten die Teilnehmenden den Post-Fragebogen aus. Als Dank für ihre Teilnahme erhielten sie eine Goodie-Bag.

Die Rallye wurde mittels eigenständig entwickelter Online-Fragebögen (LimeSurvey) in einer Selbstevaluation direkt vor und nach der Durchführung evaluiert. Ziel war es, die Effekten auf Wissen zu Substanzkonsum und navigationale Gesundheitskompetenz einzuschätzen. Die Fragebögen enthielten soziodemografische Angaben, Items zur navigationalen Gesundheitskompetenz in Form von Likert-Skalen, Wissens- und Einschätzungsfragen zu den Rallye-Inhalten sowie eine retrospektive Vorher-Nachher-Einschätzung. Ergänzend wurden offene Fragen integriert, um subjektives Feedback und qualitative Rückmeldungen der Teilnehmenden zu erfassen.

Drei Studierende nahmen teil und füllten beide Befragungen vollständig aus. Die Ergebnisse zeigten ähnliche Ausgangsniveaus sowie eine überwiegende Verbesserung der selbst eingeschätzten Fähigkeit, Gesundheitsangebote zu finden, zu bewerten und zu nutzen, insbesondere zu Beratungsangeboten und Handlungssicherheit. Darüber hinaus wurden die Rallye als sehr verständlich und die Aufgaben als lernunterstützend bewertet. Die geringe Anzahl an Teilnehmenden schränken die Aussagekraft der Ergebnisse jedoch ein.

Wie waren die Rückmeldungen?

Die Rallye wurde von den Teilnehmenden überwiegend positiv wahrgenommen.

Highlights/Nutzen Herausforderungen
  • Gamification-Ansatz und interaktive Durchführung: Die spielerische und lebensweltnahe Umsetzung der Rallye wurde als positiv wahrgenommen.
  • Niedrigschwelliger Zugang zu Beratungsangeboten: Studierende wurden auf Unterstützungsstellen aufmerksam gemacht, die ihnen vorher nicht bekannt waren. Anonymes Feedback aus dem Fragebogen:
    • “Besonders hilfreich war die letzte Aufgabe, in der wir das Telefonat halten sollten. Das hat mir noch mal gezeigt wie einfach doch der Zugang zu diesen Anlaufstellen ist und dass man keine Scheu haben sollte, diese auch zu nutzen.”
    • “Ich muss sagen, dass euch die Aufklärung gut gelungen ist. Die Goodie-Bag mit den Infozetteln war sehr aufmerksam und gut durchgedacht. Also einen Verbesserungsvorschlag hab ich darauf bezogen nicht.”
    • “Die letzte Station inkl. des Anrufs war sehr hilfreich.”
    • “Die Storyline hat mir sehr gefallen, weil es viele Studenten betrifft und realitätsnah wirkt. Ich habe zudem viel über Anlaufstellen in Siegen gelernt, sodass man bei persönlicher Betroffenheit selber Initiative ergreifen kann.”
    • “Die spielerische Gestaltung war sehr hilfreich zum Lernen.”
  • Zeitlicher Rahmen der Durchführung: Im vorgegebenen Zeitraum hatten viele potenzielle Teilnehmende anderweitige Verpflichtungen (Seminare, Arbeit usw.). Dies erschwerte die Rekrutierung erheblich.
  • Zeitlicher Rahmen der Planung: Die Planungsphase von Oktober bis Anfang Dezember war knapp bemessen.
  • Terminabsprache: Aufgrund des engen zeitlichen Rahmens erwies sich die Absprache mit Beratungsstellen als schwierig.
  • Technische Ausstattung: Je nach Betriebssystem (iOS/Android) gab es vereinzelt kleinere Abweichungen bei der Standortposition einer angezeigten Station.
  • Zielgruppenpassung: Eine ältere Teilnehmende empfand den spielerischen Charakter, die Aufgabenstruktur und interaktive Erkundung der Umgebung geeigneter für jüngere Altersgruppen (z.B. Schüler*innen). Für ältere Vertreter*innen der Zielgruppe könnten stärker informative, selbstbestimmtere oder weniger spielerische Elemente passender sein.