Nebolus Universität Siegen

Die Nebolus-Rallye in Siegen

Die Gesundheitsrallye „Balance gesucht“ wurde im Rahmen des Seminars Gesundheitsförderung und Prävention an der Universität Siegen durchgeführt. Sie richtete sich an Studierende aller Studiengänge unabhängig vom Semester und thematisiert die emotionale Erschöpfung im Studienalltag. Die Rallye verfolgte die Ziele Stress vorzubeugen, Gesundheitskompetenzen zu stärken und persönliche Ressourcen bewusster einzusetzen. Sie basiert auf einer Story rund um den Studenten Mesut, der durch die Unterstützung seiner Kommilitonin Emma und die Rallye-Teilnehmenden Wege aus seiner emotionalen Erschöpfung kennenlernt, und fand an ausgewählten Orten auf dem Campus der Uni Siegen statt. Durch interaktive Aufgaben an den Stationen zur Selbstreflexion, Organisation, Achtsamkeit und zu Bewältigungsstrategien wurden die Teilnehmenden aktiv in die Geschichte eingebunden.

Aufgrund des engen zeitlichen Rahmens des Seminars und der Durchführung innerhalb eines Semesters von etwa 3,5 Monaten war eine vollständige Umsetzung der Zielsetzungen und des Konzepts von Nebolus in der vorgesehenen Form nur eingeschränkt möglich. Insbesondere die Einbindung und aktive Zusammenarbeit mit Einrichtungen vor Ort hätte zusätzliche Zeitressourcen erfordert, die im Rahmen der Lehrveranstaltung nur begrenzt zur Verfügung standen. Der Erfahrungsbericht kann dennoch aufzeigen, wie Nebolus in einer angepassten Form in Lehrveranstaltungen und Seminaren eingesetzt und erprobt werden kann.

GESUNDHEITSTHEMA

Emotionale Erschöpfung

SETTING

Universität

RALLYEORGANISATION

Projektteam Masterstudiengang Digital Public Health

VERANTWORTLICHE

Leitung des Seminars „Vertiefung Gesundheitsförderung und Prävention“ im Masterstudiengang Digital Public Health

Dr. Joanna Albrecht
Lea Stark-Blomeier
Pinar Tokgöz

ZEITRAUM

Dezember 2025

Einblicke in die Rallye

Die Rallye-Teilnehmenden folgen einer Geschichte von Mesut und Emma, zwei Studierende an der Universität Siegen. Sie essen nach ihrer Vorlesung in der Mensa und Mesut gibt zu, dass er sich in letzter Zeit emotional erschöpft fühlt. Emma möchte ihm helfen, da sie selbst ähnliche Erfahrungen gemacht hat und nimmt ihn sowie die Teilnehmenden mit zu verschiedenen Orten rund um den Campus, wo sie selbst Methoden zur Bewältigung von Erschöpfung gelernt hat. Dazu zählen die Organisation eigener Aufgaben, das Planen anstehender Aktivitäten, die einen glücklich machen, die Reflektion des Tages in einem Glückstagebuch oder auch ganz grundsätzlich das Symptombild zu verstehen.

Welche Einrichtungen haben sich beteiligt?

Bei allen vier Stationen der Rallye handelte es sich um Einrichtungen der Universität Siegen, die den Studierenden im Alltag offenstehen. Die ausgewählten Orte waren die Mensa im Unteren Schloss, die Universitätsbibliothek im Unteren Schloss, der Student Living Room im Student Service Center sowie ein Raum im Gebäude AH-D der Universität Siegen. Durch diese Auswahl konnten zentrale Lern-, Aufenthalts- und Unterstützungsorte des Campus in die Rallye integriert werden. Während drei Stationen ohne direkte Betreuung durch Mitarbeitende besucht wurden, war der Student Living Room die einzige Station mit persönlicher Einbindung. Dort stellte ein Mitarbeiter das Konzept des Student Living Rooms vor. Dieser versteht sich als Rückzugs- und Begegnungsort für Studierende und vermittelt niedrigschwellige Ansätze zur Selbstfürsorge. Gleichzeitig bietet er die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und sich mit anderen Studierenden zu vernetzen. Damit griff diese Station einen zentralen Schwerpunkt der Rallye zum Thema Self-Care und emotionale Erschöpfung auf.

Wie liefen die Vorbereitungen?

Die Vorbereitung auf die Gesundheitsrallye erfolgte durch persönliche Treffen im Seminar und regelmäßige Online-Meetings. Zu Beginn wurde sich im Projektteam mit der Nebolus-App vertraut gemacht. Es folgte die Festlegung der Zielgruppe. Dann wurde aus verschiedenen entwickelten Storyentwürfen für die Rallye einer ausgewählt und optimiert. Basierend auf der Story wurden die Stationen und Aufgaben konzipiert. Dabei war jedes Projektmitglied für eine Aufgabe am Rallyetag zuständig. Nach der Entwicklung der Aufgaben und Stationen wurden für jede Station die Sprachnachrichten aufgenommen und die Rallye im Planungstool angelegt. Im letzten Schritt wurden zur Überprüfung der technischen und organisatorischen Abläufe zwei Pretests durchgeführt. Aufgrund der Erkenntnisse aus den Pretests wurden technische Fehler behoben und einzelne Aufgabenstellungen optimiert.

Wie wurden die Rallye-Teilnehmenden angesprochen?

Die Rekrutierung der Rallye-Teilnehmenden begann zwei Wochen vor dem Rallyetag und erfolgte mithilfe eines Rallyeflyers. Nach Antragstellung und Genehmigung durch die Pressestelle wurde dieser in den Aufenthaltsräumen und Mensen der Universität auf digitalen Bildschirmen geteilt.  Ein weiterer Rekrutierungsweg war die Ansprache von nahestehenden Personen im privaten Umfeld des Projektteams, die der Zielgruppe angehören. Zudem wurde über den WhatsApp-Kanal eines verwandten Studiengangs auf unsere Rallye aufmerksam gemacht. Es konnten auch Mitglieder eines anderen Projektteams rekrutiert werden. Als letzter Rekrutierungsschritt wurde die Gesundheitsrallye in Lehrveranstaltungen eines Professors beworben. Die Kombination der verschiedenen Rekrutierungswege hatte zum Ziel, möglichst viele Teilnehmende zu gewinnen.

Rallye-Flyer zur Rekrutierung der Teilnehmenden

Wie lief die Umsetzung?

Am 15.12.2025 durchliefen sechs Studierende die Gesundheitsrallye zum Thema „Emotionale Erschöpfung im Studienalltag“. Startpunkt war die Mensa der Universität Siegen, wo sich die Teilnehmenden zu Beginn der Rallye trafen. Ein Mitglied des Projektteams begleitete die Gruppe während der gesamten Durchführung als Guide. In der Mensa wurde die die Vorgeschichte der Rallye (siehe Audioaufnahme) abgespielt, die in das Thema emotionale Erschöpfung im Studienalltag einführte. Anschließend besuchten die Teilnehmenden verschiedene Stationen auf dem Campus, an denen das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven aufgegriffen wurde. Ziel der Rallye war es, die Gesundheitskompetenz der Studierenden zu stärken und Strategien zur Stressbewältigung zu vermitteln. An den einzelnen Stationen erhielten die Studierenden vielfältige Einblicke in das Thema emotionale Erschöpfung. Die Inhalte wurden dabei sowohl spielerisch als auch informativ vermittelt, sodass die Teilnehmenden die Aufgaben aktiv bearbeiten und die vorgestellten Strategien direkt nachvollziehen konnten.

Folgende Aktivitäten und Aufgaben erwarteten die Teilnehmenden an den verschiedenen Anlaufstellen (Stationen):

  • Station 1: Gesundheitsmythen → Welche Mythen sind falsch?
  • Station 2: Aufgaben Organisieren → Was ist Wichtig und Dringend?
  • Station 3: Aktiv werden → Welche Aktivität löst was in dir aus?
  • Station 4: Achtsamkeit & Glückstagebuch → Für was bist du heute dankbar?

Zur Evaluation der Rallye wurden die Teilnehmenden neben zentralen soziodemografischen Merkmalen in einem Post-Design zu gesundheitsthematischen Schwerpunkten befragt. Die Ergebnisse aus dem papierbasierten Fragebogen weisen auf eine hohe Gesundheitskompetenz hin. Zudem benannten die Teilnehmenden Strategien, die zu einer Bewältigung emotionaler Erschöpfung wirksam sein können und waren während der Rallye sehr achtsam über die Auswirkung ihrer Gefühle der Stationen. Größere Abweichungen zwischen den Teilnehmenden zeigen die Ergebnisse der Frage, ob sich Teilnehmende bei eigenen psychischen Erkrankungen an andere Personen wenden würden. Abschließend wurde die generelle Umsetzung und die Auswahl der Orte sehr positiv bewertet, mit besonderer Betonung auf die Geschichte und die Stationsgestaltung.

Wie waren die Rückmeldungen?

  • Die Eindrücke des studentischen Projektteams vom Rallyetag waren insgesamt überwiegend positiv. Der Ablauf der Rallye funktionierte gut, die Teilnehmenden konnten motiviert durch die Stationen geführt werden und der zeitliche Rahmen wurde eingehalten.
  • Auch das Feedback der Teilnehmenden fiel größtenteils positiv aus. Die Aufgaben wurden überwiegend als verständlich bewertet, und die ausgewählten Orte galten mehrheitlich als geeignet. Positiv hervorgehoben wurden insbesondere das Kennenlernen neuer Angebote auf dem Campus, die strukturierte Durchführung sowie einzelne Übungen wie das Glückstagebuch oder das Storytelling über die Sprachnachrichten.
  • Gleichzeitig traten einige Herausforderungen auf, vor allem technische Probleme mit der Nebolus-App auf iOS-Geräten oder bei der Navigation. Die Verortung der Stationen auf der Karte wurde nicht immer korrekt dargestellt, wodurch teilweise unklare Wegeführungen entstanden. Zudem zeigte sich, dass die Darstellung der Wegführung in der App teilweise zunächst missverstanden wurde. Einige Teilnehmende waren durch die von der Fluglinie ausgehende Darstellung irritiert und interpretierten diese zunächst als konkrete Wegführung zur jeweiligen Station. Dadurch entstand teilweise der Eindruck, die App gebe ungewöhnliche oder umständliche Routen vor. Bei näherer Betrachtung wurde jedoch deutlich, dass die Darstellung lediglich der Orientierung diente und keinen konkreten Navigationsweg vorgab.
  • Auch organisatorisch gab es einige Herausforderungen. Zum einen gab es Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Teilnehmenden aufgrund des begrenzten Zeitraumes und zum anderen gab es Unklarheiten auf Seiten der Teilnehmenden beim Auffinden des genauen Treffpunktes.
  • Als wichtigste Learnings wurden eine genauere Kommunikation, breitgefächertere und aktivere Rekrutierungswege sowie eine zuverlässigere technische Navigation gesammelt. Insgesamt konnten durch die Rallye ein Bewusstsein für emotionale Erschöpfung geschaffen und Strategien zur Bewältigung vermittelt werden, weshalb die Durchführung insgesamt positiv bewertet wurde.